Der Kunde ist nicht (mehr) König!

Webdesigner gibt es wie Sand am Meer – sagt man. So mancher, dem es gelungen ist mit irgendeinem gängigen Hilfsmittel (Produktnamen werden nicht genannt) eine Webseite ins Netz zu stellen, ist sehr schnell – zu schnell – auf die Idee gekommen, sich als Webdesigner zu präsentieren, zu verdingen. Die Folge ist klar: nicht nur Unterbietungswettbewerb beim Kunden sondern auch Überbietungswettkampf in Liebedienerei.
Nur noch kurz zum ersten. Neulich hat eine Typo3-Agentur stolz verkündet, dass sie ihre Stundensätze von 132,13 € (so ungefähr) auf 187,22 € (so ungefähr) angehoben hat und damit nun teuerste Typo3-Agentur sei und gleichzeitig die anderen Typo3-Agenturen aufgefordert mitzuziehen. Wurde hier die Götterdämmerung von „Geiz ist geil“ eingeleitet, fragt man sich zunächst und dann: wo leben die denn? Von den astronomischen Summen will ich gar nicht reden, aber welche Typo3-Agentur kann es sich denn leisten, mit Stundensätzen zu kalkulieren. Woher wollen die denn wissen, ob ihnen nicht morgen drei wichtige Extensions um die Ohren fliegen, weil sie sich mit einer der vielen anderen Erweiterungen oder der unbedingt notwendigen Version 4.2.27 von Typo3 nicht vertragen. Wie müssen die denn kalkulieren, damit sie solche Eventualitäten abfangen können. Nun gut, das ist ihre Sache.

Viel interessanter ist für mich, wie sehr muss ich mich verbiegen, um einen Kunden zu bekommen oder zu halten. Als mir vor einigen Tagen ein Kunde ankündigte, dass er seine Firma demnächst liquidieren muss und damit natürlich auch seine Websites, hat mich das natürlich sehr traurig gemacht, aber nicht nur für mich sondern auch und vielleicht sogar noch mehr für ihn. Das hat mich dann veranlasst über meine Kundenbeziehungen nachzudenken. Ich merkte, dass ich mit diesem Kunden nicht einen Kunden sondern vor allem auch einen Partner verliere und dass das eigentlich für meinen kleinen Kundenstamm insgesamt zutrifft: sie sind mir im Laufe der Zeit zu Partnern geworden und auch ans Herz gewachsen. Daraus erwuchs die Erkenntnis, dass bisher alle ehemaligen Kundenbeziehungen dadurch zerbrochen oder zu Ende gegangen sind, weil es nicht gelungen war, zu einer Partnerbeziehung zu gelangen. Nun, wo sich der erste „Partnerkunde“ vom Acker macht, stellt sich mir die Frage, welche Kunden will ich eigentlich und will ich eigentlich noch. Warum noch? Nun, in wenigen Tagen werde ich 70 (in Worten siebzig) und da darf man vielleicht auch mal von noch reden. Gibt es noch ältere Webdesigner? Dann meldet euch!
Welche Konsequenzen werde ich ziehen? Mein Einleitungsartikel „Über uns“ wird demnächst geändert. Ich werbe nicht mehr um Kunden, der Kunde soll sich um mich bewerben. Warum er das tun soll oder auch lassen kann und unter welchen Bedingungen ich ihn nehme, werde ich dann in meinem neuen Aufmacher schreiben. Bis dahin geduldet euch!

5 thoughts on “Der Kunde ist nicht (mehr) König!

  1. Hallo,

    ich kann das Problem eins zu eins nachvollziehen oder zumindest: es gibt Kunden, mit denen arbeite ich gern und andere, mit denen ich nicht gern arbeite.
    Früher habe ich mir von „doofen“ Kunden immer angehört, ich wäre nicht professionell etc.
    Ok. Entweder wir finden eine Lösung oder es muss jemand anderes machen.
    Ich habe mittlerweile einfach gesagt: ich bin wer ich bin, ich versuch es zu lösen. Wenn ich nicht passend aussehe, habe ich schon einen doofen Kunden aussortiert. Wenn ich nicht cool genug bin, auch. Ich verkleide oder verstelle mich also nicht. Entweder die Leute mögen mich oder nicht.
    Naja, na gut: manchmal kleide ich mich doch etwas vornehmer und gebe mir äusserste Mühe, wie ein Profi zu wirken. Merke ich, die Leute sind nett, fange ich langsam an, die Schale etwas abzulegen.
    Damit bekomme ich genau die Kunden, die ich nett finde. Wenn sie auch noch bezahlen, super.
    Der Rest läuft irgendwie automatisch: ich melde mich ab und zu, falls ich mal nichts höre und über die Zeit entwickelt sich von ganz allein eine Partnerbeziehung.
    Das geht natürlich nur, wenn man einen kleinen Kundenstamm hat und sich das auch so leisten kann.
    Ist aber schön, wenn es geht.

    • Pehaps a car with to many wheels.
      Which plugins do you mean? My own you can find in repository. In the next time I make particular page for it.

  2. Wenn der Kunde der Meinung ist, die Preise im Markt wären günstiger, dann kann ich dem Webdesigner nur einen Blick in unsere Erhebung der Webdesign-Preise in Deutschland empfehlen (siehe http://www.website-kosten.com). Ueber 5000 Projekte können nicht irren und überzeugen so manchen, dass professionelles Webdesign eben seinen Preis hat und auch seinen Wert.

    • Der eine kanns halt, der andere nicht: die richtigen Preise aushandeln. Aber: jeder Webdesigner wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er bei einer Umfrage die tatsächlich erzielten Preise nennen, insbesondere den tatsächlich realisierten Stundenlohn nennt. Aber natürlich freue ich mich für jeden, der einen angemessenen Preis erzielt und dabei ausreichend Kunden aquirieren kann.

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