Design

Zunächst war ich vesucht, eine Abhandlung über mein Design zu schreiben, aber das ist viel zu trocken und kein Mensch liest das. Da hat mich doch neulich der bekannte italienische Journalist Benito Benitissimo von der Webdesignato Vaticano  aufgesucht und mit mir ein langes Interview zu Webdesign geführt, wenn das kein Zufall ist. Also dachte ich mir, gibst du einfach das Interview, wenn auch nicht in voller Länge aber doch sehr ausführlich wieder, vielleicht wird es gelesen oder, falls ich es noch als Podcast einstellen sollte, angeschaut und angehört.

Hier geht es los!

Sind Sie ein Designer? Nein!
Nanu, unter dem Stichpunkt Webdesign habe ich Sie doch gesucht und gefunden. Als Webdesigner würde ich mich ja auch mit einiger Zurückhaltung bezeichnen wollen.
Was ist da der Unterschied? Designer sind Künstler, sonst haben sie ihren Beruf verfehlt. Ein Webdesigner kann auch ein Künstler sein. Und ich bin gewiss keiner. Vielleich darf man zwischen künstlerisch motivierten und technisch getriebenen Webdesignern unterscheiden.
Sind die künstlerischen Webdesigner nicht im Vorteil? Kann sein, muss nicht sein. Zunächst sind sie eine verschwindende Minderheit und bei diesem Massenmarkt Web ist Masse naturgemäß eine Macht. Aber das ist nicht Ihre Frage. Der Vorteil des künstlerisch bestimmten Webdesigners ist vielleicht, dass er treffsicherer und schneller im ästhetischen Urteil ist. Sein Nachteil ist, dass er im unvermeidlichen Widerspruch zwischen ästhetischem Anspruch und Funktionalität selten einen guten Kompromiss findet. So nach dem Schema: der Kompromiss ist der Feind der Kunst.
Bevor wir zu konkreten Designfragen kommen, noch eine allgemeine Frage: Wie wichtig ist Design für die Webpräsenz und für wen ist es wichtig? Wenn ich mit der zweiten Frage anfange, ergibt sich der Stellenwert des Designs fast von alleine. Am Anfang meiner Zeit als Webentwickler – sie sehen, ich drücke mich doch etwas vor dem Begriff Webdesigner – habe ich die naheliegende Ansicht vertreten, das Design ist einzig und allein für den Endverbraucher – also dem durchs Internet brausenden wichtig. Nicht einmal meinen Kunden wollte ich als wichtige Instanz akzeptieren und mich selbst schon gar nicht. Der Endkunde muss aufmerken, er muss die Seite mit Wohlgefallen betrachten, dann verweilt er oder kauft er oder sucht er oder spielt er oder …Alles Quatsch. Daran ist nur richtig, dass die Seite nicht grottenschlecht sein darf. Diesen Kunden interessiert nur eins: wie komme ich schnell, unkompliziert, ohne langes Nachdenken und versuchen an die gewünschte Information. Seine Verweilzeiten bemessen sich im allgemein in Sekunden, gar keine Zeit für ästhetische Urteil und vor allem kein Interesse. Bei Texten, wenn sie lesbar sind und bei Bildern, wenn sie schön sind, mag er etwas länger verweilen.
Ja, für wen ist das Design dann wichtig? Wenn ich damals anfing eine Webseite aufzubauen, hatte mich nur die Funktion und der Inhalt interessiert, das Ausehen sollte, getreu dem Motto, dass man das heute alles schön trennen kann, später kommen. Da merkte ich nach einiger Zeit, dass ich die Lust an der Entwicklung verlor. Der Grund: das schlampige bzw. eigentlich nicht vorhandene Design beim Rohbau hat mich angewidert und das muss man sich Stunde für Stunde anschauen. Das geht nicht! Schlussfolgerung: in erster Linie ist das Design für mich wichtig. Kein Mensch wird jemals wieder so lange darauf starren. Auch nicht nach der Fertigstellung! Dann kommt zeitlich danach in der Wichtigkeit mein Kunde. Manchmall will er bloß eine Visitenkarte im Netz haben und nach der Fertigstellung schaut er vieleicht seltener darauf als der Endkunde. Wenn er aber ständig mit der Seite arbeiten will und muss, dann kann das Design für ihn durchaus auch wichtiger werden als für mich. Nun brauche ich den ersten Teil der Frage fast gar nicht mehr beantworten: Design ist ungeheuer wichtig – für den Designer und für den Seitenbesitzer. Ohne gutes Design verliert sie für beide auch einen großen Teil ihrer Funktionalität.
Diese Fragen können wir sicher noch viel mehr vertiefen aber kommen wir nun zur ersten konkreten Fragen: Was halten Sie von runden Ecken? Ausgefranste sind mir lieber. Warum rund? Sie entspringen zwei Quellen: 1. das Bedürfnis die technisch vorgegebene Rechteckstruktur zu durchbrechen und 2. sie sind dennoch relativ einfach zu realisieren. Sind das ästhetische Kriterien? Wo finden Sie sonst runde Ecken? In der Architektur feiern die furchtbar spitzen Ecken – wo bleibt Feng Shui? – Hochkonjunktur, oder geht das schon wieder zu Ende? Vielleicht hofft man durch runde Ecken eine gewisse Weichheit zu erreichen. Wenn die Browser anfangen den CSS-Standard runde Ecken zu realisieren, wird es vermutlich noch einmal einen kurzen Hype geben, um dann sich irgendwie zu verlieren
Welche Gestaltungselemente lieben Sie? Ohne Rangordnung: 

  • Transparenzen, auch wenn sie manchmal die Lesbarkeit beeinträchtigen. Aber sie machen neugierig und verleihen der Seite eine gedankliche Tiefe.
  • Ausbrechen von Strukturen oder man kann auch sagen: das Überschreiten und Verschwimmen lassen von Strukturgrenzen, ohne dass ein Verlust an Klarheit eintritt. Hier wie auch in allen anderen Punkten hätte ich gerne noch ein paar mehr Ideen.
  • Plastizität bzw. 3D-Effekte bei Schriften, Boxen und Bildern. Sicher darf man hier nicht übertreiben, aber es entstammt auch dem Bedürfnis der Seite Tiefe zu geben, diesmal mehr optische Tiefe.
  • Handschriften an wenigen markanten Stellen, also meistens im Logobereich oder an ausbrechenden Stellen.
Ist das alles originell? Überhaupt nicht. Schauen Sie sich die Nachrichten im Fernsehen an oder schlagen Sie ihre Tageszeitung auf, überall finden Sie diese Formelement, aber nach meiner Einschätzung beginnen sie im Web erst nach und nach Fuß zu fassen. Aber wer kann es wagen, bei Milliarden von Seiten eine statistische Gewichtung vorzunehmen.
Warum findet man auf Ihrer eigenen Website davon so wenig? Sie glauben gar nicht, wie schlecht ich mich bezahle. Aber im Ernst: Wenn da keiner ist, der einen lobt und meinetwegen auch ein bisschen kritisiert, macht das alles keinen rechten Spaß. Und die Folge, ich habe meine Seite manchmal über lange Strecken gar nicht angeguckt, keine neuen Inhalte reingebracht usw. Da haben Sie wieder den Anfang des Interviews. Aber vielleicht gucken sie in ein paar Wochen mal wieder rein und übrigens: einiges ist durchaus vorhanden, schauen Sie nur richtig hin. Und Sie können natürlich viele dieser Element auf meinen Kundenseiten sehen. Und auch da reiche ich immer wieder welche nach.
Warum findet man diese Formelemente im Vergleich zu anderen Designarten eher selten? Die Browser, die Browser, die Browser. Jetzt ist es fast nur noch der Internet Explorer, den man immer wieder überlisten muss, um etwas davon darzustellen. Wegen seines Marktanteils von vielleicht 70 % kann man ihn einfach nicht vernachlässigen. Und diese Trickserei will und kann letztlich keiner bezahlen.
Wir müssen leider nun Schluss machen, vielleicht können wir das Gespräch später fortsetzen, es sind noch viele Fragen offen. Ich will nichts ausschließen.